Kurzbericht der Reise zur "ASpekt 2019" nach Anthering bei Salzburg

Vom 1. bis zum 6. Mai hatte ich das Vergnügen, mich anlässlich der Jahrestagung der VdS-Fachgruppe „Spektroskopie“ in und um die neue „VEGA“-Sternwarte bei Salzburg aufhalten zu können.


Zur Tagung reiste ich wie ein paar weitere Kollegen aus der Fachgruppe bereits am 1. Mai an. Das war im Nachhinein auch ein gute Entscheidung, nicht nur wegen der recht leeren Autobahnen. An diesem Tag herrschten noch recht gute Wetterbedingungen vor. Daher lud uns unser Spektroskopie-Freund und Tagungsleiter Herbert Pühringer abends auf eine spontane private Führung zur VEGA-Sternwarte ein. Nach den vorangegangenen Berichten, insbesondere im Journal "Sterne und Weltraum", hatte ich schon einiges erwartet. Die Realität zeigte sich dann allerdings noch wesentlich imposanter. Die recht malerisch unterhalb des 835 m hohen Haunsberg-Gipfels, ca. 10 km nordwestlich von Salzburg gelegene Sternwarte (Bild 1) ist größtenteils mithilfe von Sponsoren errichtet.

Davon ist der größte, Vega-Logistic, auch der Namensgeber. Insgesamt wurde von einer Investitionssumme im mehrstelligen Millionenbereich gesprochen, worin wohl noch nicht einmal alle gesponserten bzw. vergünstigten Instrumente enthalten sein dürften.
In dem imposanten Bau (Bild 2 & 3) befindet sich ein großer Vortragssaal, der mehr als 100 Personen Platz bietet, mit Riesenleinwand (8 m x 4,5 m), 3 Beamern und abfahrbaren Außenfassaden/Jalousien. Daneben gibt es eine komplett eingerichtete Küche fürs Catering sowie Kühlschränke, einer davon mit Getränken fürs Beobachtungspersonal. Ein Ruhe- und Erholungsraum mit 3 Betten für übermüdete Sterngucker ist ebenfalls vorhanden.



Die Instrumentierung ist ebenfalls nur „vom Feinsten“: Beide Teleskope und Montierungen stammen von der österreichischen Edelschmiede ASA (ebenfalls Sponsor). Als Hauptgerät ein 1 m Ritchey-Chretién auf einer kompakten Gabelmontierung, in einer größtenteils aufklappbaren Kuppel. Von den Abmessungen her schätze ich diese Kuppel ähnlich wie die unsrige auf dem Gelben Turm ein, aufgrund der Gabelmontierung ist hier jedoch wesentlich mehr Bewegungsfreiheit und man braucht auch nur selten eine (kleine) Leiter. Das zweite Teleskop ist ebenfalls ein RC (40 cm Durchmesser) auf Knicksäule (Bild 4).

Dieses Gerät soll wohl schwerpunktmäßig für Spektroskopie eingesetzt werden. Hierfür werden derzeit 2 fasergekoppelte Spektrographen im Raum darunter vorbereitet. Von der optischen Leistungsfähigkeit und Qualität des großen Spiegels konnten wir uns gleich am ersten Abend überzeugen. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde die Muschel aufgeklappt (Bild 5) und bei bestem Seeing einige Highlights des Frühlingshimmels anvisiert.

M51 war überwältigend: Spiralstruktur wie aus dem Lehrbuch, bei direkter Sicht! Auch die gesamte Verbindung zur Begleitgalaxie klar und deutlich erkennbar, einfach toll. Leider wurde das Wetter in den nächsten Tagen wechselhafter, am letzten gab es sogar etwas Neuschnee am Tagungsort (Bild 6).


Die Tagung selbst war für mich sehr lohnend, vor allem wegen der alten und neuen Kontakte zu Amateuren und Profis sowie Optik-Spezialisten. Unter den über 60 Teilnehmern waren auch viele aus dem näheren oder weiteren Ausland, wie z.B. die ESO-Spektrographen Entwickler der „CAOS“-Gruppe (als „Amateure“ Entwickler u.a. des Baader BACHES Echelle-Spektrographen).

Für Interessierte habe ich meinen eigenen bescheidenen (Poster-) Beitrag in der Anlage beigefügt: Einige Ergebnisse aus meinem Langzeit-Projekt zur Spektroskopie von Riesensternen auf dem AGB (hier liegen u.a. die bekannten Mira- Veränderliche).


Weitere Details mit schönen Bildern von der Sternwarte findet man hier: https://www.hausdernatur.at/de/sternwarte.html


Und hier sind Informationen zur Sternwarte als „Event Location“ - falls jemand mal in die Verlegenheit kommt, für seine 100 Mitarbeiter eine schöne Feier auszurichten ;-) - auch mit virtuellem Rundgang: https://www.vega-sternwarte.at/home/


Uwe Zurmühl