Der Sternenhimmel im Oktober 2016

von Arndt Latußeck

Es ist Herbst - erstaunlich. Bis vor wenigen Tagen hätte man es ja nicht einmal bemerkt. Alles schien wie seit Wochen, der Sommer wollte einfach nicht enden. Schon fabulieren die Medien über eine "Verschiebung der Jahreszeiten". Und wer wollte da widersprechen?  Auf den ersten Blick bot die Witterung doch bis Ende September alle Zutaten für einen schönen Sommer (inklusive der typisch mitteleuropäischen Schönheitsfehler), während es noch bis in den Juni hinein kalt und ungemütlich gewesen war. Grüne Weihnachten und Schnee zu Ostern, ja, die Jahreszeiten sind wohl wirklich aus dem Takt geraten.

Oder vielleicht doch nicht? Das Problem liegt wohl eher daran, dass man den Begriff der "Jahreszeiten" meist nur mit den normalerweise zu erwartenden Witterungsverhältnissen gleichsetzt. Dabei sind Frühling, Sommer, Herbst und Winter eigentlich ganz streng definiert, und zwar durch den Sonnenstand an unserem Himmel: Erreicht die Sonne den höchsten Mittagsstand des Jahres, so beginnt der Sommer. Der tiefste mittägliche Stand markiert den Winteranfang, und die beiden Positionen "dazwischen" stehen für den Frühlings- beziehungsweise Herbstanfang. Das hat man sich übrigens ganz geschickt ausgedacht: Erst, nachdem die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, können sich Luft, Wasser und Erde auf der Nordhalbkugel der Erde (auf der Südhalbkugel ist es genau umgekehrt) allmählich auf ihre höchste Temperatur erwärmen, mit der Folge schöner, warmer Sommertage im Juli und August auch in unseren Gefilden. Zu Winterbeginn scheint die Sonne hier zwar am schwächsten und kürzesten, dennoch kühlt die Nordhalbkugel auch danach noch für zwei weitere Monate immer weiter aus, da das bisschen Sonnenstrahlung einfach nicht ausreicht, um die verlorene Wärme der langen Nächte wieder auszugleichen. Entsprechend ist es um Mitte Februar meist am kältesten.

Überhaupt, die Sonneneinstrahlung: Auch ohne kalte Temperaturen sollte man in diesem Frühherbst das Hereinbrechen der "dunklen" Jahreshälfte, in der die Sonne länger unter als über dem Horizont steht, selbst erleben können, denn jetzt, Anfang Oktober, verkürzen sich die "Tage" (also die "helle" Zeit, in der die Sonne über dem Horizont steht) um knapp drei Minuten - Tag für Tag. Haben Sie's gemerkt? Jeden Tage wird es eineinhalb Minuten später hell, jeden Tag verschwindet die Sonne eineinhalb Minuten früher als am Vortag. Wie lange es morgens jetzt noch dunkel ist! Und wie bald die Sonne abends untergeht! Künstliches Licht gehört deshalb für einen immer längeren Zeitraum am Morgen und am Abend schon längst wieder zu unserem Alltag, so dass wir gar nicht mehr richtig merken, dass der Wechsel der Jahreszeiten auch und vor allem mit einem Wechsel der Lichtverhältnisse einhergeht. Wie weit haben wir zivilisierten Menschen uns vom natürlichen Rhythmus von Tag und Nacht über die Jahreszeiten entfernt! Und faszinierend, wie sich die Natur trotzdem immer noch in das Leben der so aufgeklärten und unabhängigen Menschen des frühen 21. Jahrhunderts schleicht.

Spätestens die herrlich klaren Herbstabende öffnen dann aber mit Leichtigkeit wieder den Geist für die Natur der Jahreszeiten, wenn ein Blick zum klaren Himmel die altbekannte Sternenuhr erkennen lässt, die mit ihren jahreszeitlich so typischen Sternbildern und Figuren ganz unabhängig von den irdischen Wetterkapriolen jedem Beobachter zeigt: Es ist Herbst.

Der Mond als Wegweiser: Der Mond steht bei...

Mars: 7. und 8. 10., abends

Plejaden: 18. Oktober, ganze Nacht

Jupiter: 28. Oktober, morgens

ES: 08.10.2016