Der Sternenhimmel im November 2015

von Arndt Latußeck

Herbst ist, wenn die Blätter fallen und die Wintersternbilder steigen. Die aktuelle Jahreszeit ist da ganz unbestechlich, und seien die Temperaturen auch noch so ungewöhnlich:

Es gibt immer einige Dinge, die so eng mit dem Lauf der Dinge verbunden sind, dass sie wie ein Uhrwerk ein ums andere Jahr zur selben Zeit geschehen und den naturentwöhnten Menschen zumindest die Gelegenheit zum kurzen Innehalten und bewussten Wahrnehmung der Umwelt geben. Es ist heute genau wie vor hundert Jahren, dass der Novemberwind die letzen Blätter von den Bäumen fegt, die letzten Vogelschwärme gen Süden ziehen und die letzten Sternbilder des Sommers sich auf ihren Untergang im Westen vorbereiten. Einfach ganz natürlich. November eben. Eine Zeit des Abschieds und der Kontemplation.

Doch ist nicht alles Ende. Gerade der Sternenhimmel zeigt uns, dass Altes Neuem fortwährend Platz macht. Sterne gehen unter, Sterne ziehen über uns, Sterne erscheinen neu. Der Drehung der Erde um ihre Achse sei dank, dass zu jedem Zeitpunkt der Nacht der Sternenhimmel sein Aussehen bedächtig, aber stetig ändert. Verschwindet das Sommerdreieck schon nach 21 Uhr, gehen gleichzeitig im Osten die wohl schönsten Sternbilder auf, die unser Himmel überhaupt zu bieten hat. Die Plejaden sind da so eine Art Vorbote. Dieser kleine, dichtgedrängte Haufen von Sternen erscheint schon mit dem Ende der Abenddämmerung am Osthimmel, um im Laufe der Nacht immer höher am Himmel zu klettern, bis er sich gegen Morgen wieder dem Horizont zuneigt. So gesehen dominieren die Plejaden die Novembernächte eindeutig. Dabei sind sie ganz und gar nicht der einzige Blickfang. Gerade ab den späteren Abendstunden erscheinen mehr und mehr der wunderbaren Wintersterne im Osten, und wenn gegen Mitternacht Stier, Orion und Zwillinge erst einmal prominent ins Blickfeld gerückt sind - wer mag dann noch einen Gedanken an die Sommersterne verschwenden? Noch später, und die beiden "himmlischen Hunde" gehen auf, so dass der Hundsstern Sirius, der hellste Stern des Himmels, gegen Morgen den Südhimmel überstrahlt. Und wenn sich die erste Morgendämmerung ankündigt, sind Mars, Venus und Jupiter im Osten aufgegangen und leuchten hell dem neuen Tag entgegen. Der November ein Monat des Abschieds? Oh nein - eher eine Zeit des ständigen Erscheinens himmlischer Lichter! Ist das nicht ein schöner Gedanke in winterdunkler Zeit?

ES: 16.11.2015