Der Sternenhimmel im Oktober 2015

von Arndt Latußeck

Dunkel ist's, nicht einmal der Mond scheint helle... So schnell ist der Herbst über das Hildesheimer Land gekommen, dass nicht einmal unser Erdtrabant es noch schafft, genügend Licht auf die immer mehr ins lichtarme Einerlei fallende Umwelt zu werfen, um noch sommerlichere Gefühle erwecken zu können.

Schon gegen acht Uhr abends ist es jetzt dunkel, und man warte erst einmal die Zeit nach dem 25. Oktober ab, wenn die Sommerzeit endet: Schlagartig wird uns dann eine weitere lichthelle Stunde des Tages in der freien Zeit fehlen. Der Abend bricht dann schon gegen achtzehn Uhr herein, dafür wird es morgens etwas früher hell als bisher - allerdings nur, bis die immer tiefer stehende Sonne auch diesen Zeitvorteil wieder aufgefressen haben wird. Woher soll das Licht nun kommen? Da eilt mal wieder der Himmel zur Hilfe, zumindest der gestirnte:

Wie an der Perlschnur glänzen nämlich gleich vier helle Planeten in diesen Tagen frühmorgens aufgereiht am Osthimmel um die Wette, als wollten sie die späte Dämmerung vorzeitig verscheuchen. Tatsächlich erleben wir am Morgenhimmel der zweiten Oktoberhälfte eine ganz ungewöhnliche Häufung der sichtbaren Planeten: Ganz horizontnah ist nun für wenige Tage Merkur am dämmrigen Firmament erkennbar, was für sich allein genommen schon eine seltene Beobachtungsgelegenheit bietet, denn Merkur ist der Sonne meist viel zu nah, als dass er sich aus ihren Strahlen befreien und für das bloße Auge sichtbar werden könnte. Ein Stück höher - und noch wesentlich heller als Merkur - steht Jupiter weißlichgelb leuchtend, der rote Planet Mars ganz in seiner Nähe. Am höchsten aber thront Venus, der strahlende Morgenstern, über dem Planetenreigen. Da fehlt nur noch Saturn zum Planetenglück, doch der Ringplanet hält sich leider ganz woanders am Himmel auf, sodass er, obwohl als Wandelstern von der beweglichen Sorte, es nicht mehr rechtzeitig vor Auflösung der Planetenkonstellation Ende Oktober schaffen wird, sich zu dem himmlischen Stillleben zu gesellen.

Die momentane Anordnung der vier Planeten in einer fast perfekten Reihe ist übrigens kein Zufall: Alle Himmelskörper umkreisen die Sonne in fast derselben Ebene, in der auch die Erde ihre Runden zieht. Deshalb können wir die Planeten von unserer kosmischen Heimat aus immer nur in einem schmalen Streifen entlang dem Himmel erspähen, der so genannten Ekliptik. Sie wird vor allem durch die scheinbare Bahn der Sonne vor dem Sternenhintergrund im Laufe des Jahres festgelegt, wobei diese Bewegung ja nichts anderes als die projizierte dauernde Ortsveränderung unseres eigenen Blickpunktes im Sonnensystem ist. So sind alle Anordnungen von Sonne, Mond und Planeten am irdischen Firmament immer nur Momentaufnahmen - wenn auch sehr hübsche, die sich, wie in diesem Oktober - immer wieder ganz wunderbar genießen lassen.

ES: 16.11.2015