Der Sternenhimmel im September 2015

von Arndt Latußeck

Der September ist schon ein besonderer Monat im Jahresreigen:  Es ist nicht mehr Sommer, aber so richtig Herbst mag es auch noch nicht werden.

 

Die Tage werden nun schnell kürzer (so schnell wie sonst nie im ganzen Jahr), aber dennoch bleibt es abends noch lange genug hell für die eine oder andere Unternehmung. Und der Sternenhimmel scheint still zu stehen -na sowas! Tatsächlich erleben wir in der Zeitspanne zwischen Anfang August und Ende September Jahr für Jahr das Phänomen, dass der Sternenhimmel nach Einbruch der Dunkelheit uns immer dasselbe Gesicht zeigt. Keine Zauberei ist hier im Spiel, sondern ganz schlichte Geometrie: Die immer früher hereinbrechende Dunkelheit gleicht die tägliche scheinbare Fortwanderung des Sternenhimmels (dessen Anblick jeden Abend etwa vier Minuten früher demjenigen des Vorabends entspricht) in diesen Wochen nämlich fast perfekt aus. So finden wir ab 21 Uhr abends immer noch das Sommerdreieck in prominenter Stellung hoch im Süden, flankiert von Bootes im Westen und Pegasus im Osten. Der große Wagen versteckt sich dicht über dem Nordhorizont, und Kassiopeia der Perseus schleichen sich allmählich höher am Osthimmel. Doch warten wir den späteren Abend ab, so stellt sich der Anblick des Sternenhimmels zunehmend auf herbstlichere Züge um. Doch für die ausführliche Betrachtung dieser neuen Sterne wird auch im Oktober noch genügend Zeit sein.

Dass der Himmel wahrlich ganz und gar nicht still steht, können wir leicht an den beweglichen Himmelskörpern ablesen: Die Sonne wandert langsam, aber stetig durch den Tierkreis, die Planeten folgen Ihr auf ganz ähnlichen Bahnen. Insbesondere der Mond macht es aber überdeutlich, denn er steht von Abend zu Abend an immer anderen Stellen vor dem Sternenhintergrund, und dazu hat er auch allen Grund: Unser guter, alter Erdbegleiter braucht nur etwas mehr als 29 Tage für eine komplette Erdumrundung in immerhin ca. 400.000 Kilometern Entfernung, da muss er sich schon sputen!

Nun ergibt es sich in diesem September - genauer: am frühen Morgen des 28. -, dass sich der Mond entlang einer ganz besonderen Region des Himmels bewegt, nämlich geradewegs durch den Schatten hindurch, den die von der Sonne bestrahlte Erde in den Weltraum wirft. Dabei passiert Folgendes: Der von der Erde aus gesehen voll beleuchtete Mond - unser altvertrauter "Vollmond" - wird an jenem Montagmorgen ab 3:07 Uhr in den Erdschatten wandern und dabei zunehmend sein helles Licht verlieren: Erst nur in der oberen linken Ecke, dann mehr und mehr auf der gesamten Mondoberfläche. Weiter geht die Reise durch den Erdschatten, bis der Mond um 4:11 Uhr komplett in ihn eingetaucht sein wird. Charakteristisch für diese Phase ist ein kupferrotes Licht, das den eigentlich verfinsterten Mond immer noch schwach beleuchten wird, und das von roten Sonnenstrahlen herrührt, die durch die Erdatmosphäre hindurch in den Erdschatten gelenkt werden (die anderen Farben werden von der Atmosphäre mehr oder weniger verschluckt). Bis um 5:24 Uhr wird diese "totale Verfinsterung" andauern, erst dann wird sich der Mond auf seinem Weg weit genug bewegt haben, um den Erdschatten allmählich wieder zu verlassen. Ziemlich genau mit dem Sonnenaufgang wird das Spektakel dann zu Ende sein und am Abend des 28. wird der Mond wieder am Hildesheimer Himmel aufgehen, als sei nie etwas gewesen.

Auch dieses Naturschauspiel macht den September 2015 zu etwas ganz Besonderem. Vielleicht sogar so besonders, dass man die Nachtruhe gegen ein paar Stunden unter dem mondverfinsterten Sternenhimmel tauschen mag?

ES: 19.10.2015