Der Sternenhimmel im August 2015

von Arndt Latußeck


Strahlend klar spannt sich das Himmelszelt über dem Hildesheimer Raum. Ein Schritt vor die Haustür, und schon wird man eingehüllt von der glänzenden Fülle an Sommersternen, die hoch über uns ihre Bahnen zieht.

Die Kombination ist aber auch geradezu perfekt: Nach Einbruch der Dunkelheit erreicht die Sommermilchstraße mitsamt ihrem Gefolge aus Hunderten und Tausenden funkelnder Lichtpünktchen ihre höchstmögliche Stellung am Himmel, und sofern man es schafft, den viel zu hellen Lichtern der Stadt etwas zu entfliehen, mag man beim Blick nach oben glauben, dass die Sternenfülle gar kein Ende mehr nehmen will. Für alle Sterngucker und Romantiker wird die kommende Zeit dabei besonders lohnend, denn der August gilt ja bekanntlich als der Sternschnuppenmonat schlechthin. Den ganzen Monat über werden, vor allem nach Mitternacht, viele winzige Staubkörnchen aus den Tiefen des Sonnensystems auf die Erde herabregnen und beim Verglühen in der Atmosphäre ihre hübschen Leuchtspuren hinterlassen. Geduldige Beobachter können vor allem Mitte August unter guten Bedingungen weitab der Stadt bis zu 100 dieser kleinen Wunscherfüller erhaschen - vom Stadtgebiet Hildesheim aus sind durch den stark aufgehellten Himmel aber nur vielleicht zehn Stück pro Stunde zu entdecken . Menschen mit vielen Wünschen wird also dringend geraten, einige klare Nachtstunden auf dem Lande zu verbringen, dort also, wo der Nachthimmel dunkler und die Sterne glänzender sind.

Gerade in den mondlosen Nächten in der ersten Augusthälfte wird es einem gar nicht so leicht gemacht, die bekannten Sternbilder zu identifizieren, einfach weil plötzlich scheinbar viel mehr Sterne als sonst den Blick ablenken und die Sternbildfiguren verwischen. Immerhin sticht das Sommerdreieck hervor, gebildet aus Wega, Deneb und Atair, den drei Hauptsternen der Konstellationen Leier, Schwan und Adler. Quer hindurch verläuft das Milchstraßenband bis zum Süd- und Nordhorizont, wobei vor allem der südliche Bereich mit seiner wolkenartigen Struktur ein richtiger Blickfang ist. Abermillionen von Sternen - hier trifft man auf die berühmten "astronomischen Zahlen" -, jeder einzelne viel zu schwach für das menschliche Auge, vereinen hier ihr Licht, um schimmernd am dunklen Nachthimmel zu erscheinen. Kosmische Staub- und Gasmassen verhindern an vielen Stellen aber, dass das Licht dieser Sternchen bis zu uns dringt und schirmen es ab. Gähnende Leere scheint an diesen Stellen der Milchstraße die Folge, es ist aber nichts anderes als eine Art kosmischer Schatten, der sich hier über die Erde legt, denn hinter diesen so genannten "Dunkelwolken" leuchten die Sternen natürlich nach Kräften weiter.

Doch der Himmel ist größer als die Milchstraße, viel größer: Nach Osten und Westen hin bleibt reichlich Platz für eine ganze Reihe von Sternbildern, wobei hier alles seine Ordnung hat: Während die letzten Frühlingssternbilder immer weiter gen westlichem Horizont sinken, erheben sich am Osthimmel die Bilder des kommenden Herbstes mehr und mehr aus dem Horizontdunst. Vor allem die perfekt quadratische Form des Pegasus springt ins Auge; hier macht die markante Form die fehlende Helligkeit der Sterne mehr als wett, und das Erkennen dieses Bildes wird sehr leicht. Tief darunter tut sich sogar schon Erstaunliches, denn der dicht gedrängte Sternhaufen der Plejaden ist aufgegangen. Man mag es vielleicht nicht gern lesen, aber die Plejaden sind traditionell ein sicheres Zeichen dafür, dass der Sommer bald endet. Nun ja - bald ist nicht jetzt, und die Plejaden können zum Glück nicht unser Wetter beeinflussen. Begnügen wir uns deshalb mit einem entspannten Blick in sommerlicher Stimmung auf diese Sternansammlung und warten in aller Ruhe auf die kommende Zeit. Winter wird es noch früh genug.

ES: 07.10.2015