Der Sternenhimmel im Juni 2015

von Arndt Latußeck


Jetzt bricht er also auch astronomisch an, der Sommer. Am 21. Juni um exakt 19:37 Uhr Sommerzeit erreicht die Sonne von der Erde aus gesehen ihren nördlichsten Punkt auf ihrer jährlichen Himmelsbahn.

Der längste Tag des Jahres wird dann von der kürzesten Nacht abgelöst, es will gar nicht mehr richtig dunkel werden. Selbst nach Mitternacht lungern letzte Reste der Abenddämmerung noch über dem Nordhorizont herum und gehen schon nach kurzer Zeit praktisch nahtlos in die Dämmerung des neuen Morgens über. Doch glücklich, wer sich von der späten Dunkelheit nicht von einem frühsommerlichen Sternenspaziergang abhalten lässt, denn nun ziehen allmählich die wunderbaren Konstellationen der heißen Jahreszeit herauf, die uns schon so oft durch Urlaubs- und Ferienzeit an dunkleren Orten als der Stadt begleitet haben.

Es ist noch gar nicht richtig dunkel, da knipsen Venus und Jupiter gemeinsam im Westen das Licht an. Beide Planeten sind im Juni nicht zu übersehen, denn sie sind nach Sonne und Mond die allerhellsten Gestirne an unserem Himmel, wobei Venus noch ein ganzes Stück heller als Jupiter leuchtet. Beide Planeten liefern sich in diesen Wochen übrigens ein regelrechtes Rennen, das am letzten Tag des Juni endgültig zugunsten des "Abendsterns" Venus entschieden wird: Von Tag zu Tag nähern sich beide Lichtpünktchen, für Jedermann leicht zu beobachten, immer mehr an, bis sie zum Monatswechsel nicht einmal mehr einen scheinbaren Vollmonddurchmesser voneinander entfernt am Abendhimmel erscheinen. Ein wahrer Leckerbissen für Naturliebhaber bahnt sich an, ein recht seltenes Ereignis, das sicherlich auch ein schönes Fotomotiv abgeben wird. Also - nicht verpassen! In den ersten Julitagen kann  man dann beobachten, wie sich Venus immer weiter von Jupiter entfernt, und es wird nicht mehr lange dauern, bis der größte Planet unseres Sonnensystems so nah an der Sonne steht, dass er für einige Wochen gar nicht mehr sichtbar sein wird.

Wenn der Juniabend voranschreitet, verabschiedet sich unser Planetenduo allerdings bald, denn es folgt der täglichen Drehung der Erde um ihre Achse und geht in westlicher Richtung unter. Dafür kommen in der zunehmenden Dämmerung immer mehr Sterne zum Vorschein, wobei man allerdings schon bis nach 23 Uhr warten sollte, damit wenigstens die bekannteren Sternbilder problemlos identifiziert werden können. Da wäre vor allem das Sommerdreieck, das, gebildet aus den drei hellsten Sternen der Sternbilder Leier, Schwan und Adler, inzwischen unübersehbar am östlichen Himmel thront. Hier erstreckt sich auch die Milchstraße, die in unseren hellen norddeutschen Mittsommernächten allerdings kaum zur Geltung kommen kann. Tief im Süden kriecht gerade der Skorpion entlang, der zudem noch den Ringplaneten Saturn als "Gaststern" beherbergt. Richtung Westen finden wir weiterhin den hellen Arktur im Bärenhüter und die kleine, aber markante Halbkreisform der Nördlichen Krone. Und auch der Große Wagen darf auf unserem Spaziergang über den frühsommerlichen Sternenhimmel nicht fehlen: Er hat nun mit seinem Abstieg von den Himmelshöhen des schon vergangenen Frühlingsbegonnen und hängt, die Deichsel nach oben weisend, im Westen in halber Höhe, als wenn er zum Abschied vom Frühling noch einmal winken wollte.

ES: 07-10-2015