Der Sternenhimmel im Juli 2015


von Arndt Latußeck

"Was ist das eigentlich für ein heller Stern, abends, im Westen?"  So oder so ähnlich lautet in diesen Wochen die häufigste Frage an den Sternfreund. Und das ist kein Wunder, denn dort, am westlichen Himmel, strahlt tatsächlich Abend für Abend ein Lichtpünktchen, als ob es die aufziehende Nacht verscheuchen wollte.

Es ist der Planet Venus, unserer innerer Nachbar im Sonnensystem, der in diesen Tagen seine größtmögliche Helligkeit erreicht, weil er der Erde jetzt sehr nah kommt - wohlgemerkt in astronomischer Hinsicht, denn es trennen uns immer noch mehr als vierzig Millionen Kilometer von der Venus, und viel weniger wird's auch nicht  mehr werden. Doch aufgepasst: Der Abendstern macht sich bis Ende Juli recht zügig aus dem Staub, denn Venus nähert sich nun Tag für Tag rasant der Sonne an, so dass ihre abendliche Sichtbarkeitsperiode spürbar zurückgeht. Und schon Ende Juli wird Venus sich dann endgültig vom Abendhimmel zurückgezogen haben, um dann allerdings bereits Mitte August auf der anderen Seite der Sonne wieder aufzutauchen und dann als Morgenstern uns die frühen Tagesstunden zu erhellen. Aber in den kommenden Tagen sollte Venus noch gut zu beobachten sein, und es lohnt wegen der großen Erdnähe sogar ein Blick mit einem kleinen Fernglas: Venus erscheint uns von der Erde aus jetzt so groß, dass man ihre Sichelgestalt völlig problemlos schon bei kleinsten Vergrößerungen, wie sie eben beispielsweise ein Fernglas bietet, erkennen kann. Ganz ohne großen Aufwand oder teure Geräte.

Noch günstiger - weil man dafür überhaupt keine optischen Hilfsmittel braucht - wird nur noch ein abendlicher Himmelsspaziergang mit dem bloßen Auge entlang des sommerlichen Sternenhimmels. Hoch thront jetzt das Sommerdreieck im Südosten, tief im Süden dagegen zeigt sich der Skorpion, wohl das "sommerlichste" aller Sternbilder. Ganz in der Nähe finden wir den Ringplaneten Saturn, der allerdings jetzt und in den kommenden Jahren durch seine stark südliche Stellung nur schlecht mit einem Teleskop zu beobachten sein wird. Immerhin ist er hell genug, dass man ihn auch ganz ohne Optik leicht sehen kann, wenn auch lediglich als Lichtpünktchen. Im Westen neigen sich der Boötes oder "Bärenhüter" und die nördliche Krone langsam dem Horizont zu, während im Osten der quadratische Pegasus heraufzieht. Der Große Wagen steht dagegen tief im Nordwesten. Kurz: Auch am Sternenhimmel ist Hochsommer. Und weil die Sonne nun allmählich wieder etwas länger unter dem Horizont bleibt, werden wir in der nächsten Zeit mehr und mehr von dieser Pracht genießen können, weil sich die Nacht nun wieder ihren Platz im Tagesablauf zurück erobert.

ES: 20-07-2015